Website des Oberösterreichischen Mittelschüler-Kartellverbands katholisch-österreichischer Studentenverbindungen
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GESCHICHTE DES MKV

Vorwort

Menschen haben es so an sich, dass sie sich zu Gruppen zusammentun, wenn sie Gemeinsamkeiten entdecken. Und wenn es mehrere solcher Gruppen gibt, liegt es nahe, dass sie sich ihrerseits wieder zu größeren Organisationen zusammenschließen, um ihre Zusammengehörigkeit zu zeigen und zu vertiefen und um ihre Interessen besser durchsetzen zu können.

Das haben sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch einige unserer Verbindungen gedacht und – anfangs mit wenig Glück – Formen der überregionalen Zusammenarbeit gesucht. 1933 wurde schließlich der MKV ins Leben gerufen. Mit ihm war es endlich gelungen, eine Institution zu schaffen, die die nötige „Power“ hatte, um sich nicht nur für kurze Zeit, sondern bis heute erfolgreich zu behaupten.

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Lang, lang ist's her ...

Der Mittelschülerkartellverband der katholischen farbentragenden Studentenkorporationen Österreichs (MKV) wurde am 9. September 1933 anläßlich des Katholikentages in Wien gegründet. Weit älter als dieser Zusammenschluß sind aber viele seiner Verbindungen deren erste in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gegründet wurden.

Die erste, von der wir Kenntnis haben, entstand schon 1859 in Linz. Sie wie auch mehrere andere hatte sie als Folge mannigfacher Verbote und Verfolgungen noch keinen dauernden Bestand. Erst Teutonia Innsbruck, gegr. 1876 und heute die älteste Verbindung des MKV, konnte sich allen Stürmen der Zeit zum Trotz behaupten. Ziel dieser Bünde war es, an den von liberalen und oft auch deutsch-nationalen Professoren beherrschten Mittelschulen katholisches Gedankengut zu vertreten.

Erst 1919 wurde den Mittelschülern die Koalitionsfreiheit gewährt, d. h. erst ab diesem Zeitpunkt konnten sie sich auch vereinsrechtlich konstituieren. Teutonia hatte also beispielsweise von ihrer Gründung an 43 Jahre illegal gewirkt.

Die noch sehr kleinen Verbindungen, die zudem kaum über den Rückhalt einer organisierten Altherrenschaft verfügten, haben dennoch wertvolle Erziehungs- und Bildungsarbeit geleistet, und noch vor dem 1. Weltkrieg wurde einer der ihren Minister.

Nach 1900 entstanden innerhalb weniger Jahre in allen heutigen Bundesländern (außer dem Burgenland) katholische Mittelschulverbindungen, von denen sich die meisten dem bereits 1900 gegründeten und natürlich ebenfalls illegalen "Mittelschüler-Cartell-Verband" (MCV) anschlossen. Noch knapp vor dem 1. Weltkrieg ging dieser Verband mangels einer schlagkräftigen Organisation ein, aber schon 1919 entstand als Nachfolger der "Verband katholisch - deutscher Pennalverbindungen Österreichs" (VPV), dem im Laufe der Zeit 68 Verbindungen angehörten und der 1921 bereits die "Burschenwacht" als Verbandszeitschrift herausbringen konnte. Gegen 1930 zerfiel er aber aufgrund interner Probleme.

Parallel dazu entstand ebenfalls 1919 der "Christlich-Deutsche Studentenbund" (CDSB) als mächtige Standesvertretung der Mittelschüler, dem auch Mädchen angehörten und der sich erfolgreich auf kulturellem, sozialen und schulpolitischem Gebiet (z. B. im Kampf gegen die von Glöckel geplante Abschaffung des Religionsunterrichts in den Schulen) engagierte. Aufgrund äußerer Einwirkungen und Einflüsse verlor er aber rasch an Bedeutung.

Vom Zusammenschluß bis zur Verfolgung

Der Wunsch nach einem starken und schlagkräftigen Zusammenschluß blieb aber bestehen und führte schließlich 1933 zur Gründung des "Mittelschüler-Kartell-Verband der katholischen farbtragenden Studentenkorporationen Österreichs (MKV)", dem 1938 bereits 78 Verbindungen angehörten. Schon am 18. 10. 1933, also gerade fünf Wochen nach seiner Gründung, hatte er bereits für alle Verbandsmitglieder das Verbot der Zugehörigkeit zur NSDAP ausgesprochen. Zahlreiche Verbindungen engagierten sich mehr und mehr für pro-österreichische Aktivitäten, auch wenn darunter das eigentliche Verbindungsleben immer mehr zu kurz kam. Als die Einrichtung einer allumfassenden Staatsjugend im Sinne des Ständestaates verlangt wurde, lehnte der MKV aber dennoch einen Beitritt ab und schloß sich der unter kirchlicher Führung stehenden "Reichsarbeitsgemeinschaft katholischer Jugendverbände Österreichs" an.

Der rasche Aufstieg des MKV fand in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 ein jähes Ende, als die Nazis die Buden (Verbindungsheime) stürmten und alles zerstörten oder beschlagnahmten. Sämtliche Verbindungen wurden aufgelöst und hunderte ihrer Mitglieder gemaßregelt, verhaftet oder in Konzentrationslager gebracht. Viele fanden den Tod in diesen Lagern oder wurden hingerichtet. Viele gingen in den Untergrund, gründeten Widerstandsgruppen oder beteiligten sich aktiv am Widerstand.

Mutig in die neuen Zeiten - der Wiederaufbau!

Der Aufbau der 2. Republik wurde dann entscheidend von Mitgliedern des MKV geprägt, wie zum Beispiel Leopold Figl oder Julius Raab. Der MKV selbst wurde bereits am 8. September 1945 reaktiviert und nach und nach erstanden auch fast alle Verbindungen wieder. Seit 1949 erscheint wieder die Verbandszeitschrift (die dann 1968 ihren Namen in "couleur" änderte) und 1954 folgte als Ausdruck der nach innen und außen gefestigten Existenz der Beitritt zur "Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände" (AKV) und die Aufnahme in den Österreichischen Bundesjugendring. Mitgliedschaften in weiteren Verbänden und Abkommen mit befreundeten Organisationen folgten. Entsprechend der Errichtung zahlreicher neuer höherer Schulen suchte der MKV in den folgenden Jahren in solchen Orten neue Verbindungen zu gründen.

Schulpolitik und Europa

Das interne Schulungswesen in den Verbindungen und Landesverbänden wurde kontinuierlich aufgebaut und seit 1964 gibt es alljährlich, darauf abgestimmt, die bundesweite Kartellführungsschule. Als Folge der Ereignisse von 1968 begann der MKV sich systematisch in der Schulpolitik zu engagieren und kann heute auf große Erfolge verweisen. So gehen vor allem die großen Reformen der Schülervertretung und der Lehrplangestaltung in Österreich in vielen Dingen auf den MKV zurück. 1972 folgte die maßgeblich vom MKV mitgetragene Gründung der "Union Höherer Schüler" (UHS; heute: "Schülerunion"), um auf noch breiterer Basis ein Gegengewicht zu links-ausgerichteten Gruppierungen zu schaffen. Laufend wurden und werden interessierte Mitglieder ermuntert und unterstützt, sich als Klassen- und Schulsprecher zu betätigen, und wiederholt haben MKVer auch als Landes- und Bundesschulsprecher gewirkt.

1975 kam es nach längeren Vorarbeiten wieder mit maßgeblicher Mithilfe des MKV zur Gründung des "Europäischen Kartellverbandes christlicher Studentenverbände" (EKV), dem heute 16 Verbände und zahlreiche einzelne Verbindungen und Vereine in mehr als 12 europäischen Ländern angehören. Mit dem EKV wurde ein gemeinsamer Verband christlicher Studentinnen und Studenten aus ganz Europa - von Belgien bis in die Ukraine - geschaffen, der sich als NGO stark bei Europarat und europäischem Parlament engagiert.

Die Zukunft mitgestalten!

In den 1980er Jahren widmete sich der MKV einer ausgiebigen Grundsatzdiskussion, die das neue Grundsatzprogramm hervorbrachte. In den letzten Jahren konnte der MKV wieder einen starken Aufschwung verzeichnen. Man war bemüht das Bildungs- und Seminarangebot seitens des Verbandes auszubauen, hat sich wieder verstärkt dem schulpolitischen Engagement zugewandt (der MKV ist auch Herausgeber des meistverbreiteten und erfolgreichsten Schülerkalenders Österreichs!), hat sich in der jugend- und bildungspolitischen Diskussion wieder verstärkt zu Wort gemeldet, und ist vor allem sehr bemüht, sich mehr und mehr im Rahmen des Prinzips religio zu betätigen und aktives christliches Engagement in unserer Zeit zu leisten! - Getreu dem Motto: "Die Zukunft mitgestalten!"

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